Looking at Thomas Kalak’s pictures of Muslim women in their magnificent headscarves, one is virtually bound to quote the Holy Qur’an: „O Prophet! Tell your wives and daughters and the women of the believers to draw their cloaks over their bodies. That is most convenient that they should be known and not molested. And Allah is ever forgiving, merciful.“ (sura 33 verse 60).


However, there is no instruction whatsoever that the faithful Muslim woman should wrap herself in dismal grey or undistinctive cloth. For some time now, an almost fashionable aspect is recognizable among modern Muslim women. And this precisely is the trend from which Tomas Kalak’s series of photographs takes its inspiration:


By showing the cloaked women from behind, he preserves their anonymity. The human being, the woman, virtually appears to be no longer existent. Their headscarves, which can be bound, knotted and worn in different ways, rule out any opportunity of identification. At the same time though he presents self-confident Muslim women who show through the colourful style of their religiously motivated clothes that they have no intention whatsoever to hide away. They only wish to be “recognized” as faithful Muslim women and show that they refuse to accept any violation of their chastity.


Primarily, Kalak is concerned with the visual appearance of the headdress. While in some cases, the cloak and the outer clothing do not match, there is harmony of colours and patterns in other cases and, occasionally, only the cloak is visible. With all headdresses having individual features, the often-assumed uniformity of headscarves is completely disproved. The pictures vary in colour, form and tie as well as in the type of knot and the way in which cloths fall and thereby unfold their effect.


The photographs produce the strongest effect by means of confrontation, which makes them comparable and highlights the diversity and variety of headdresses. Their effect in colour is enormous, with the allusion to potential emptiness of the headscarves both intended and disproved. The imagination of the viewer is stimulated to fill the apparent emptiness with the corresponding female faces and their emotions.




Betrachtet man Thomas Kalaks Bilder von Musliminnen in ihren prachtvollen Kopftüchern, kommt man nicht umhin, den heiligen Koran zu zitieren. Darin sagt Allah unmissverständlich: „O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Tücher tief über sich ziehen. Das ist besser, damit sie erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist allverzeihend, barmherzig.“ (Sure 33 Vers 60).


Doch nirgends steht geschrieben, die gläubige Muslimin solle sich in tristes Grau oder fade Stoffe hüllen. Ein beinahe modischer Aspekt ist schon länger unter modernen Musliminnen erkennbar. Und genau da setzt Thomas Kalaks Idee zu seinen Fotos an:


Indem er die verhüllte Frau von hinten zeigt, gewahrt er ihre Anonymität. Der Mensch, die Frau, scheint geradezu nicht mehr vorhanden zu sein. Ihr Tuch, das sich auf unterschiedliche Arten binden, knoten und tragen lässt, nimmt den Bildern jede Möglichkeit zur Identifizierung.  Doch gleichzeitig präsentiert er selbstbewusste Musliminnen, die durch die farbenfrohe Art ihrer religiös motivierten Kleidung zeigen, dass sie sich keinesfalls verstecken wollen. Sie möchten lediglich als gläubige Musliminnen „erkannt“ werden und darauf hinweisen, dass sie sich weigern, ihre Keuschheit zu verletzen.


In erster Linie geht es Kalak um das visuelle Erscheinungsbild der Kopfbedeckung. Bei manchen passen Tuch und Oberteil nicht zusammen, in anderen Fällen sind sie in gleichen Farben und Mustern aufeinander abgestimmt, gelegentlich ist nur das Tuch zu sehen. Die vermeintliche Gleichheit der Kopfbedeckungen wird hier vollständig widerlegt. Sie alle weisen Unterschiede auf. Die Bilder variieren durch Farbe, Form, Bindung, die Art des Knotens  und die Weise, wie die Stoffe fallen und dabei ihre Wirkung entfalten.


Die Fotos wirken am stärksten durch ihre Gegenüberstellung. Dadurch werden sie vergleichbar und verdeutlichen die Vielfalt und die Unterschiede der Kopfbedeckungen. Ihre farbliche Wirkung ist enorm, die Anspielung auf die etwaige Inhaltslosigkeit der Tücher gewollt und dennoch widerlegt.  Die Fantasie des Betrachters wird angeregt, die scheinbare Leere mit den dazugehörigen weiblichen Gesichtern und ihren Gefühlsregungen selbst zu füllen.

Kopftuchbilder von Musliminnen