KENYA - kids, students and mamas at the Kilifi Vonwald school

Haben Sie Träume? Vielleicht können Sie sich an einen Ihrer Jugendträume erinnern? Ich hatte viele. Einer davon war Afrika zu besuchen und armen Menschen zu helfen. Beide Träume durfte ich mir im November 2017 erfüllen. Lange habe ich Gabriela Vonwald und ihr Schulprojekt Harambee via Facebook beobachtet. Ich habe Ihre Reiseberichte und Geschichten aufgesaugt, Ihren Mut bewundert und Ihre Stärke auf einem anderen Kontinent eine Schule aufzubauen. Für mich damals unvorstellbar. Bis dann im Herbst 2016 der Aufruf kam „Unser Projekt kann man auch als Volunteer vor Ort unterstützen!“. Da war er. Dieser eine Moment. Dieses Bauchgefühl, welches mir zuflüsterte „Jetzt! Jetzt machst du’s, Barbara. Los!“ Und so begann die Geschichte einer meiner emotionalsten, tief bewegensten Reisen, die ich mit Sicherheit nie wieder vergessen und noch meinen Enkelkindern erzählen werde.
Im November 2017 flog ich gemeinsam mit meinem Freund Christian für 5 Wochen nach Kenia und dessen Stadt Kilifi zur Armenschule „Kilifi Vonwald School“. Wieso? Aus ganz vielen verschiedenen Beweggründen: Abenteuerlust, Menschenliebe, Neugierde, Reiselust, Afrikafieber, Ausstieg aus unserem Alltag, Selbsttest, Mutprobe, Ahnungslosigkeit. Wir hatten viele Vorstellungen, aber im Endeffekt keine Ahnung was uns erwartete. Trotz Filmen, Hörbüchern und Erfahrungsberichten – die Realität sieht immer anders aus. Und so war es auch.
Viele Dinge waren anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Die kaputten Straßen, der Verkehr, die Müllberge, die katastrophalen Behausungen vieler Menschen. Die ersten Tage in Kilifi waren ein enormer Kulturschock für uns. Besonders als wir Mr. Tsama & Mr. Jonathan bei den Familienbesuchen begleiten durften, hatten wir Tränen und unser Entsetzen doch etwas zurückhalten müssen. Als wir die ärmsten Menschen dieser Welt gesehen haben, wurde uns erst bewusst, dass wir reicher sind als wir dachten. Die Familienbesuche haben uns wach gerüttelt, denn bei vielen Familien geht es um’s blanke Überleben. Die Häuser bestehen aus vier Lehmwänden und einem Dach, welches mehr oder weniger dicht ist. Sonst nix. Die meisten schlafen am Boden. Luxus bedeutet bereits ein Gestell zu besitzen, welches als Schlafplatz genutzt wird, aber dann zu zweit oder zu viert geteilt werden muss. Und weshalb ist diese unendliche Armut in Afrika so dominant? Weil den Menschen schlichtweg die Bildung fehlt um sich selbst helfen zu können. Mir ist in Afrika erst bewusst geworden, wie unglaublich wertvoll Bildung ist. Im Endeffekt die Basis von Allem.
Die Vision von Gabriela Vonwald ist ganz klar: "Durch Bildung langfristig Veränderung im Land zu unterstützen. Menschen zu motivieren in ihrem Land zu bleiben und das Land zu stärken &verändern. Und Kinder sollten in einem Bett schlafen dürfen, das den Namen verdient. Mit einer Matratze und einem Dach über dem Kopf." Dabei unterstütze ich sie.
In der Kilifi Vonwald School bekommen Kinder aus armen Familien wieder Hoffnung. Hoffnung doch etwas in dieser Welt bewegen und aus ihrem Leben etwas machen zu können. Die Schüler gehen mit enormen Stolz zur Schule. Woran man erkennt, dass die Vonwald School nachhaltig ist? An der Begeisterung der Schüler. Die Schüler sind lieber in der Schule als zuhause, weil hier gut gesorgt wird für sie, sie Wertschätzung spüren und eine Chance bekommen, die Zukunft Ihres Landes aktiv mitgestalten zu können.
Mein Freund und ich haben zwar keinen Fußabdruck in Afrika hinterlassen, aber wir haben ein Stück Herz von uns dort gelassen - beim Streichen der Stühle im Kindergarten, beim Ausmalen der Klassenräume, beim Begrünen der Schulanlage und beim Kochen der Mittagsmahlzeit für die Kinder.
Würde ich das Projekt wieder unterstützen? Auf jeden Fall. Seit meinem Aufenthalt in Kenia gehe ich jeden Tag mit Demut schlafen und danke von Herzen für mein trockenes Bett. Deswegen unterstütze ich das Projekt nach wie vor. Auf mehreren Ebenen: Durch eine Patenschaft für die kleine Emmaline, durch Vorträgen an Schulen, durch unsere Mundpropaganda wo wir jedem von dieser bodenständigen, nachhaltigen Idee erzählen und Bewusstsein schaffen für die Probleme in Afrika und eine Lösung – Bildung ins Land zu bringen. Das sind wir diesem Kontinent und dessen Bewohnern schuldig.
Und ich werde wieder kommen, weil ein Stück von meinem Herzen dort geblieben ist… und weil wir unsere Emmaline wiedersehen möchten.


Barbara Hausberger, MA

 

Lockdown


In Kenia gibt es keinen Lockdown mehr. Hotels, Restaurants, Geschäfte, Dienstleistungen, Schulen - alles offen. Die Regel heißt - Abstand, Hände waschen und desinfizieren, so oft es geht, Maske in allen Räumen und wenn Abstand nicht möglich ist. (Und ich merke, wie entwöhnt ich bin.)
Man hat in der Anfangszeit einen strengen Lockdown versucht, aber in einem Dritte-Welt-Land ohne jede Sozialleistung, ohne Krankenversicherung, vor allem aber mit nur wenigen fixen Angestellten, für die es dann auch eine Lohnfortzahlung geben würde, ist das unmöglich, und das hat man auch hier erkannt.
Jeder muss hinaus und sich Arbeit suchen, weil er sonst schlicht und ergreifend verhungert. Oder verdurstet - allein das Wasser holen ist für manche Familien ein Halbtagsjob.
Ich möchte daher einfach mal die Gedankenspielerei machen - Lockdown muss man sich leisten können. Es ist eine Errungenschaft für reiche Länder mit gutem Sozialsystem, das einen auffängt. Denn ganz ehrlich - Kurzarbeit oder Arbeitslosengeld ist in jedem Fall besser als nichts. Daher aber auch die Angst vor einem Ausbruch in einem armen Land, weil man weiß, Lockdown kann hier nicht eingesetzt werden, um ein Virus einzudämmen.
Sich zu schützen und verantwortungsvoll zu handeln, ist in einem Land ohne Krankenversicherung eine Frage des Überlebens (und ich hab ja geschrieben, selbst diejenigen, die versichert sind, Covid wird nicht bezahlt).
Wenn man es also so betrachtet, ist alles, was da derzeit in Europa abläuft ein Luxus, auf den wir eigentlich fast stolz sein könnten. Auch wenn es nervt - wen nicht. Es nervt aber nur, es tötet nicht. Wir können uns in Europa Lockdown leisten.

Gabriela Vonwald