"Die Kunst des Urlaubens" von Thomas Kalak

 

Wenn ich reise, fühle ich mich wirklich frei und genieße jeden Moment meine Freiheit zu Reisen. Die enorme Vielfalt der Kulturen zu erleben, einzutauchen in andere Lebensweisen, mir in fernen Ländern meiner fünf Sinne wieder bewusst zu werden, ist ein unfassbares Geschenk, das ich gar nicht ganz auspacken will. Je länger ich darin herumkrame, desto mehr möchte ich finden. Die vielen Besuche in anderen Kulturkreisen haben meine Person stark geprägt, das Reisen ist wie eine Schule für mein Leben. Immer weiter wird mein Horizont, mehr und mehr werde ich zum globalen Beobachter mit dem Blick für Kurioses und Skurriles. Jedes Reiseziel verheißt: „Was gibt es diesmal zu entdecken? Wer wird mir begegnen? Und was werde ich von dieser Reise mitbringen?“ Letzteres bezieht sich nicht nur auf die Wahl meiner Motive, sondern auch auf neue Erfahrungen und Erlebnisse sowie auf handfeste Mitbringsel – Souvenirs eben.

 

Was mir auf meinen unterschiedlichen Reisen als würdige Andenken in die Finger geriet, zeigen die Abbildungen in diesem Buch. Doch im Grunde bin ich heilfroh, dass es überhaupt zu meinen dafür nötigen Exkursionen kommen konnte, da mich früher entsetzliche Flugangst plagte, die ich keinem Globetrotter wünsche, und die mich fast meinen Beruf gekostet hätte. Unvergessen ist mir mein frühmorgendlicher Flug in einer zweisitzigen Cessna von Puerto Plata nach Santo Domingo,  in der Dominikanischen Republik. Leicht verschlafen wartete ich noch vor Sonnenaufgang auf meinen Flugkapitän, der schließlich ebenso übernächtigt wie ungepflegt, mit pechschwarzen Fingernägeln vor mir auftauchte. Kurz nach dem Start gerieten wir in ein heftiges Gewitter, die Maschine wurde ruckelnd hin und her geworfen, sodass mir die Dreckreste unter den Nägeln des Piloten nur so um die Ohren flogen. In meiner Panik griff ich mehrfach instinktiv zum Steuerknüppel vor mir, bekam jedoch vom Schmuddelkäpt´n immer wieder einen kräftigen Hieb auf die Finger. Der Flug musste abgebrochen werden, wir kehrten wieder um und landeten schließlich – o Wunder – heil in Puerto Plata. Nachdem ich kreidebleich aus der Maschine gekrochen war, wankte ich mit zitternden Knien zielstrebig zur Flughafenbar und stürzte um 6:30 Uhr in Rekordzeit drei Flaschen Presidente-Bier hinunter und fuhr anschließend mit dem Taxi ins Hotel, um zu vergessen. Am nächsten Tag nahm ich dann den Bus, da sieht man ja auch mehr von der Gegend… Wenn ich heute meine Souvenir-Flasche Presidente-Bier ansehe, kommen mir unweigerlich düstere Erinnerungen an die tückischen Tropen-Turbulenzen in den Sinn, aber auf weitere Andenken dieser Art kann ich gerne verzichten.

 

Meine liebste Einkaufs-Location ist das MBK Center in Bangkok, eine achtstöckige Shopping Mall mit rund 2.000 verschiedenen Geschäften, Gastronomie- und Dienstleistungsbetrieben. Hier gibt es die schönsten Sachen der Welt. So fasziniert wie überwältigt lasse ich mich dort treiben, von dem unerschöpflichen Angebot betören und inspirieren, möchte mich in feinste Thai-Seide einwickeln und saphirschmuckbehängt auf bunten Flip-Flops durch sämtliche Etagen tänzeln, während ich mit günstig-goldenem Porzellan jongliere, an leuchtenden Orchideen schnuppere und mit Tempelglocken bimmle, um mir nachher, angenehm ermattet, eine Stunde lang die Füße massieren zu lassen. Das muss man sich mal andenken.

 

Das Verhalten beim Auswählen von Reiseandenken variiert bei Urlaubern sehr stark nach ihrem Touristen-Typus. Während ein 65-jähriger, wissbegieriger Studienreisender auf einem Peru-Trip eher dazu neigt, sich heimlich einen schicken Stein aus einem imposanten Maya-Bauwerk zu kratzen, ist für die weltweit berüchtigten Besucher einer bekannten spanischen Insel das Studium in Sachen Fassungsvermögen der eigenen Leber schon das Höchste der kulturellen Gefühle – da wird schon mal ein 10-Liter Sangria-Eimer zum Mitbringsel („Leute, den hab ich ganz alleine vollgekotzt!“). Bei dieser Fraktion auch sehr beliebt sind fragwürdige Andenken in Form von Genitalien (z.B. als Flaschenöffner, Strohhalm oder auf Schürzen.) Dagegen findet der alternative, meist einzeln auftretende Rucksacktourist womöglich Gefallen an einer hübsch geformten Muschel oder einer knorrigen Wurzel aus dem Regenwald („Da kann man vielleicht draus rauchen…“), während vielköpfige Cluburlauber-Familien wohl eher in den typischen Touristenläden anzutreffen sind - Souvenirshops, die so gar nichts mit der jeweiligen Kultur ihres Landes zu tun haben, in denen entnervte Elternpaare den drängenden Wünschen ihrer sonnenverbrannten Halblinge nachgeben, ihnen doch biiiiiitte den quietschbunten Hello-Kitty-Anhänger oder die auf zehn Meter zielgenau wasserspeiende Uzi zu kaufen. Was ihrerseits Surf- und Sporturlauber als Mitbringsel bevorzugen, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch auch die Erinnerung an den genialen Ritt auf einer delfinreichen, gischtgekräuselten Riesenwelle gilt in einschlägigen Kreisen als waschechtes Souvenir.

 

Jeder ist ein Künstler, der sich seinen Urlaub selbst gestaltet. Und Reisende soll man nicht aufhalten, sich ihre seligmachenden Souvenirs selbst auszusuchen.

 

About the book

 

Who did not ever bring home any nice or less nice souvenirs from his or her travels – authentic, valuable objects that can only be found aside those common inrushes of tourists? Things like culinary delights or the typical useless presents, which are nevertheless of a high personal value. Itʼs because the memorabilia gets its emotional importance from the connotation of unforgettable moments and experiences that have been made along the way, and in this way itʼs able to revive those holiday pleasures during our daily routine – independent of its material value, aesthetic quality or exclusiveness of purchase.

 

Thomas Kalak as well is a dedicated and – regarding his global exhibits – systematic collector of memorabilia from all over the world. After his successful photographic study "Thailand - same same, but different" now comes his latest book "Weltstücke", in which he presents his very own, very personal and individual souvenirs, which he has collected during the course of his travels. His ever-seeking, resourceful angle of vision has managed to discover a number of small and delightful objects in many of the countries that he visited – rare, bizarre, amusing and exceptional souvenirs, which all reflect personal memories of foreign places and circumstances. Whether artful artefacts or natural findings from the wayside, the selection of his "Weltstücke" range from the creative spawn of nature to ingeniously designed articles discovered in the rearmost corners of remote souvenir shops.

 

During the past 20 years, Kalak has travelled around the world for various, renowned tourist enterprises. He provides photos, develops concepts for books and (his own) photo exhibitions, and has also collaborated with a number of other artists in creating award winning works.

 

His book "Weltstücke" is a lovingly created memento to our freedom of travel, which, unfortunately, is a luxury that not every citizen of the world can afford.

With the aid of his own special mementos, Thomas Kalak also celebrates a personal sense of freedom that is experienced when travelling. He seeks the extraordinary, far from the trodden tourist paths, ventures out upon a global ramble through a world of many wondrous things, which can only achieve true value through the discoverer and, thus, become souvenirs.

 

The presented objects are respectively accompanied by short captions, as well as a series of entertaining text passages written by well-known authors and celebrities, who shed their personal light on the topic of travel, souvenirs and reminiscences, illustrating their historical, social and humorous aspects.

 

A diversified conglomeration of alternative objects and sights worth seeing have evolved. A cheerfully interesting assortment of individual pieces. The design of “Weltstücke” is just as fitting as it is ingenious: An oversized passport full of photos and text passages on the subject of travel, browsing and reminiscing. This charming travel document will be regarded with just the same amount of sacred reverence that any globetrotter bestows upon his or her passport full of diligently gathered stamps and visas.

 

 With Text from:

 

Claudia Langer (Founder Utopia AG)

Prof. Dr. M. Rind (Director LWL-Archäology)

Remo Masala (SVP Global Branding & Marketing, Kuoni Travel Holding Ltd.)

and Thomas Kalak (Author)

 

Design: rupadesign

 

WELTSTÜCKE - WORLD TRIP GOODIES

Souvenir-Passport